1998

B72 - Gürtelbogenlokal

Entwurf/ Innenarchitektur/ Koordination: Atelier Erdenreich - Hans Riedel
(Assistenz: Podgorschek & Podgorschek) Mitarbeit Entwurf-Ausarbeitung: Podgorschek & Podgorschek Fassadengestaltung: Architektin Silja Tillner Konsulent: O.Univ.Prof.Architekt Helmut Richter Bauherr Glasfassade, Eigentümer: Wiener Verkehrsbetriebe Bauherren Innenraum, Betreiber: Herbert Molin und Ernst Weingartner Veranstaltungsorganisator: Manfred Winter Statik: Werkraum-Dipl.lng. Peter Resch Bauphysik: Prof. Panzhauser Ausführende Glasbaufirma: Eckelt Glas Ausführende Baufirma: Böhm-Bau Ges.m,b.H. Videokonzept: Martin Reinhart Grafische Konzeption: the lounge, Tom Koch Kommunikation und Musik mit guter Aussicht Adresse: 1080 Wien Hernalser Gürtel Bogen 72 & 73 Das Musiklokal B72 besteht aus zwei miteinander verbundenen Stadtbahnbögen, deren ursprünglich von Otto Wagner vorgesehene Transparenz von Architektin Silja Tillner wiederhergestellt wurde. Beauftragt mit der Planung des URBAN Gürtel Plus Projektes ent­wickelte sie im Zuge der Gesamtrevitalisierung des Wiener Gürtels eine Standardfassade aus einer zarten Stahlkonstruktion mit Punkthaltesystem für Verbundglasfüllungen. Über­dies wird durch die Konstruktion der Glasfassade ein hoher Schalldämmwert erreicht. B72 wurde konzipiert als Kulturlokal für Livekonzerte, DJ-Clubabende zwischen Pop, House, Electronic Listening, Neo-Retro Eigensinn und Videokunst sowie 3-D Animationen. B72 ist von 18-4 Uhr geöffnet, nur Getränkekonsumation. Die Lage des Lokales erweist sich durch das ohnehin hohe Lärmniveau durch den ständigen Verkehr als besonders geeignet für ein Musiklokal. Die von Atelier ERDENREICH mit den Bauherren gemeinsam erstellten Konzeptanforderungen integrierten ausgehend von den Rahmenbedingungen und dem Zielpublikum reduzierte Materialwahl, funktionalen Innenraum, vielseitige Präsentationsmöglichkeiten über Lichtwirkung bis hin zu Grafik mit Logo und Werbeträger. Im Gesamtkonzept von Hans Riedel wurde auf Funktion und Reduktion bei maximaler Nutzungsvielfalt und Präsentationsmöglichkeit von visuellen und auditiven Kunstmedien Wert gelegt, dies bei größtmöglichem Spielraum der Wirkungsgestaltung durch Licht. Altbewährte und kostengünstige Materialien aus dem öffentlichen Raum, der omnipräsent durch die Glasfassade eindringt, wurden übernommen. Diese optische Öffnung in den öffentlichen Raum wird vom Atelier ERDENREICH für das Konzept in zweierlei Hinsicht genützt: Das urbane Umfeld Gürtel wird einerseits auch mit ihrer Materialwelt in das Musiklokal einbezogen, andererseits tritt B72 durch die gegebene Transparenz mit Video- und Diaprojektionen weit sichtbar in den Außenraum hinaus. So wurden bewußt die Grenzen des Innen- und des Außenraumes aufgehoben, dort, wo dies nicht möglich war, auf sie spielerisch eingegangen (Sichtschlitze bzw. semireflektierende Spiegelfolien bei den Toilettanlagen zur mattierten Glasfassade). Die Innenraumgestaltung von Atelier ERDENREICH und Mitarbeit von Podgorschek & Podgorschek setzt auch die im Gesamtkonzept geforderte Materialwahl von geschaltem Rohbeton, weinrotem Industrieboden, rohem Stahl, Glas, Niro, grobem Altbauholz und schwarzem Gummi konsequent um. Die Lichtausstattung besteht aussch­ließlich aus Leuchtstoffröhren (farbig) und Autozusatzscheinwerfern. So wird mit Bezug auf die besondere urbane Lage mit Zitaten aus dem öffentlichen Bereich der gesellschaftliche Raum formuliert, Innen- und Außenraum werden vermischt. Der Haupteingang mit Glaswindfang befindet sich im Bogen 73. Da der Altbestand, die Stadtbahnbögen unter Denkmalschutz stehen und wie die Glasfassaden keine statischen und baulichen Veränderungen erlauben, wurde ein schräg in diesen Raum gestellter Baukörper, der unabhängig und nur Glaselementen mit der Glasfassade verbunden ist, in den Innen­raum gesetzt. Er beinhaltet zu ebener Erde die WC-Anlagen, getrennt durch eine Stahltreppe, die in das Obergeschoß führt, wo ein Lagerraum, ein Büro sowie die Lüftungstechnik unter­gebracht sind. Die geneigte Vorderwand des die Lüftungszentrale beinhaltenden Baukörpers dient als Projektionsfläche für Videoclips, kuratiert von Martin Reinhart. Die beiden WCs und die darüberliegenden Wirtschaftsräume sind als in der Nacht blau leuchtende mattierte Kuben ausgeführt. Die Vorräume der WCs sind mit Niroblech verkleidet, die Zellen sind mit flüssigem Kunststoff in knalligem Gelb, Himmelblau und Türkis beschichtet, gestaltet mit Mustern alter Tapetenrollen. Ein semitransparenter Spiegel an der Glasfassade im Damen WC dient am Abend von innen als Spiegel und zeigt von außen den Passanten das Bild von sich schmin­kenden Damen. Unterhalb der Videoprojektionsfläche befindet sich als zentrales Element im Bogen 73 die großzügig gestaltete Bar aus einem Niroblock, über dem halbierte Baumstämme mit integriertem Licht schweben. Die High Tech Niro-Kühltechnik mit den Gewerbegeräten und Bierzapf­hähnen steht in Kontrast zum haptischen Lümmelboard aus hundertjährigen Dippelbäumen, die sich durch den hautnahen Kontakt mit dem Benutzer als Naturmaterial verändern dürfen. Der Aufgang zur oberen Etage wird durch einen grauen Samtvorhang verdeckt. In Ermangelung von Wandflächen hinter der Bar im Bogen 73 ist an der auskragenden Decken­platte der Klimazentrale ein sich langsam drehendes Niro-Flaschenkarussell montiert, bestückt mit harten Getränken, die so dem Besucher am laufenden Band präsentiert werden. Ein reduziertes Spiegelregal mit gummierten Fächern bildet das Gegengewicht dazu. Auto­Breitstrahler, ein Zitat auf die urbane Lage am vielbefahrenen Gürtel, beleuchten von der Decke aus das Lümmenboard. Zusätzliche Abstellflächen aus gelben Dokaplatten sind für stehendes Publikum an den Wänden seitlich des Durchganges zu Bogen 72 montiert. Eine Rampe im Bereich des Durchganges verbindet die beiden Stadtbahnbögen. Mitten im Blickfeld an der rückwärtigen Wand im Bogen 72 liegt die vergrößerbare in schwarz gehal­tene Bühne. Eine zarte Stahltreppe, deren gekantetes Alublech an gefaltetes Papier erinnert, führt auf die Galerie aus einer eingezogenen Stahlbetondecke, die auf vier Sicht­betonrahmen mit wahlweise integrierter farbiger Akzentbeleuchtung oder Putzlicht aufliegt. Im Bereich der Treppe befindet sich die zweite etwas kleinere Bar, ebenfalls aus einem Niroblock mit halbierten Baumstämmen, eingesäumt von Stahlregalen mit weinrotem Glas. Die Glasfassade ist unterhalb der Treppe mattiert, daß der Stauraum von außen nicht ein­sichtig genützt werden kann. Analog Bogen 73 wird auch hier das Lümmelboard mittels Auto-Breitstrahler beleuchtet. Eine kleine gegenüberliegende Betontreppe führt zum Notausgang. Daneben ist eine Sitz­bank mit integrierter Effektbeleuchtung montiert, die Tische und Sesseln werden nur fall­weise je nach Bedarf aufgestellt. Die Tische aus einer Stahlunterkonstruktion mit Doka­tischplatten können mittels einem eigens entwickelten Mechanismus rasch und einfach zerlegt und verstaut werden. Stauraum für die Tischuntergestelle befindet sich unter der Bühne, die Tischplatten können unter der Sitzbank im Obergeschoß gelagert werden. Die Geländer sind aus Stahl gefertigt und entlang der Glasfassaden mit Glas gefüllt, während die Geländerfüllungen entlang dem trapezförmigen Ausschnitt oberhalb der Bühne aus akustischen Gründen mit Stahlgittern ausgeführt ist. Die Handläufe aus gebrauchten Rolltreppenhandläufen erinnern an die U-Bahn, die in regelmäßigen Abständen über das Lokal B72 rattert. An der Rückwand der Galerie ist eine Sitzbank mit integrierter Effektbeleuchtung montiert. Bei großem Andrang ist ein mobiler Schankwagen in der Galerie im Einsatz. Ein Gastgarten dazu befindet sich am inneren und äußeren Gürtel vor dem Lokal.

2000

B72 - Gürtelbogenlokal

Entwurf/ Innenarchitektur/ Koordination: Atelier Erdenreich - Hans Riedel
(Assistenz: Podgorschek & Podgorschek)

2001

Galerie Engelhorn20, 1010 Wien, AUT

Entwurf/ Innenarchitektur/ Koordination

2002

Galerie Engelhorn20, 1010 Wien, AUT

Entwurf/ Innenarchitektur/ Koordination